Spiegellos in die Zukunft - Die Canon EOS R im Alltagstest

Aktualisiert: 13. März 2019

Als Fotograf ist man ohne Frage auf die Technik angewiesen. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum man mal irgendwann mit dem Fotografieren angefangen hat. Weil man sich auch für die Technik interessiert.


Und als Mann schielt man nun ständig auf den Markt der Neuerungen. Natürlich aus reinem fachlichem Interesse versteht sich. Nun scheint es unaufhaltsam zu sein, dass sich die Kameras immer mehr in Richtung „spiegellos“ entwickeln werden. Ohne Zweifel sind die Kameras inzwischen top und die Unterschiede werden für den Hobbyfotografen nicht zu spüren sein.


Aber nun bin ich kein Hobbyfotograf und habe mich daher ein wenig intensiver mit dem Thema spiegellose Systemkameras beschäftigt. Da man ja so seine Vorlieben hat…es sollte auf jeden Fall Vollformat sein… und weil ich seit Beginn meiner Fotokarriere Canon-Fetischist bin, fällt Nikon z.B. von vornherein weg. Mit Fuji kann ich mich auch nicht so recht anfreunden. Also reduzieren wir die Kandidaten auf die Sony Alpha-Serie und natürlich Canon. Hier gibt’s seit kurzer Zeit die Canon EOS R. Die Sonys werden immer sehr hoch gelobt und alle sind schier begeistert. Da wäre für meinen Teil nur 1 Problem. Meine Objektive kann ich an einer Sony nicht optimal nutzen. Es müssten also 2 Systeme parallel gepflegt werden. Da kommen schnell Summen zusammen. Die Sonys sind mit Sicherheit spitze, aber ein Umstieg oder ein 2.System parallel zu Canon ist mit argem Zähneknirschen verbunden.


Bleibt ein Blick auf die Canon EOS R. Vermeintliche Kenner und Spezialisten finden immer das Haar in der Suppe und so wird die Kamera von vielen fast zerrissen. Glücklicherweise machen die „Kenner“ nicht nur vor Canon halt. Jeder erwartet die eierlegende Wollmilchsau, die es allerdings nicht gibt. Es bleibt ja auch die Frage, ob man diese eierlegene Wollmilchsau wirklich braucht ?! In Tests dagegen schneidet die Canon EOS R ziemlich gut ab. Der Vorteil für mich: Ich kann meinen bestehenden Objektive weiter nutzen.


Auf jeden Fall Grund genug, die EOS R einmal zu testen. Ich nutze meine Kameras hauptsächlich für Hochzeiten, Portraits, Konzerte, Familien- und Businessfotos. Und ab und an sollen es auch Sportfotos sein. Auch auf Reisen möchte ich sie nutzen. Daher spielen neben dem Gewicht für meine Zwecke folgende 3 Punkte die wesentlichste Rolle: Schnelligkeit, treffsicherer Autofokus und angenehmes Rauschverhalten in den höheren ISO-Bereichen. Und das war es im Grunde auch schon. Ob nun der eine Knopf eher hätte links anstatt rechts sein sollen oder ob bei 4k-Videos nun mit 60fps aufgenommen werden kann, das ist für meine Verwendung nicht so wichtig. Nettes Gimmick aber kein Kaufkriterium.

Gesagt getan, ich habe mir die EOS R ausgeliehen und möchte jetzt mal für alle Interessierten etwas zu folgenden Punkten sagen:


Haptik/Bedienbarkeit


Die EOS R liegt sehr gut in der Hand. Sie ist spürbar leichter als eine DSLR. Alles läßt sich intuitiv bedienen. Wer s(eine) Canon-Kamera bedienen kann, wird sich hier und auch im Menü schnell zurecht finden. Natürlich gibt es ein paar Dinge, an die man sich gewöhnen muss. Die Touchbar finde ich persönlich gar nicht so schlecht, wie sie oft gemacht wird. Ich hatte mir die unterschiedlichen AF-Modi draufgelegt und konnte so sehr schnell z.B. zwischen Spot-AF und Eyes-AF wechseln. Wenn man sich ein wenig damit beschäftigt hat, wird man die EOS R sehr schnell blind bedienen können.

Erwähnenswert ist auch der Adapter mit Steuerungsring. Hier kann man bei Verwendung seiner vorhandenen Objektive diesem Ring eine beliebige Funktion, z.B. die Blende, zuweisen.

Alles in allem lassen sich so die Einstellungen schnell verändern, ohne dass man ständig ins Menü muss.


Schnelligkeit/Autofokus (auch mit vorhandenen Objektiven/Adaptern)


Der Autofokus ist aus meiner Sicht für fast alle Situationen schnell genug. Ich habe nun keine Fotos von fahrenden Formel 1 – Autos gemacht. Aber bei einem Fußballspiel habe ich sie eingesetzt und die Bilder sind fast alle „getroffen“.


Der Eyes-AF ist für meine Begriffe etwas verbesserungswürdig und funktioniert nicht immer ganz exakt. Aber ich bin mir sicher, dass Canon hier nachbessern wird. Wahrscheinlich haben hier einfach 2 Tage zum Testen nicht ausgereicht. Vielleicht heißt es hier auch „Übung macht den Meister“?! Ansonsten sitzt der AF quasi immer. Durch das klappbare Display sind auch Bilder in Bodentiefe oder über der Schulter kein Problem und treffsicher. Großartig. Klar können das auch andere Hersteller, aber das Klappdisplay ist sehr flexibel, was z.B. bei einer Olympus OM-D-EM1 nicht der Fall ist.


Die canoneigenen Adapter funktionieren wunderbar und man büst keine AF-Geschwindigkeit ein. Oft liest man, dass durch das adaptieren die AF-Geschwindigkeit leidet. Für den Fall der EOS R kann ich das nicht behaupten. Sicher wird man im Labor zu einem anderen Ergebnis kommen, aber für den praktischen Gebrauch ist hier nichts zu befürchten.


Bildschärfe


Ich habe die EOS R ausschließlich mit meinen vorhandenen Objektiven (Sigma ART und Canon L) getestet. Hier bleibt nicht viel zu sagen, außer dass die Bilder knackescharf sind ... teilweise schärfer als an meiner EOS 5DMIV.. Auch hier bekommt man also eine Spitzen-Kamera.


Rauschverhalten


Normalerweise verwende ich maximal ISO6400. Darüberhinaus sind mir die Bilder dann doch zu verrauscht und in der Nachbearbeitung in Lightroom wird es dann doch etwas matschig. Bei der EOS R hatte ich das Gefühl, dass die Bilder bei ISO6400 etwas „brauchbarer“ sind und weniger rauschen. Testweise habe ich auch mit ISO102000 fotografiert. Ja, selbst das ist möglich und liefert sogar ein brauchbares Ergebnis. Das Ganze in Lightroom nachbearbeitet ist es sicher auch „matschig“ aber hier gilt wohl eher das Motto: „Der Moment ist wichtiger als das perfekte Bild“. Alles in Allem spielt hier das Vollformat seine Stärke aus und man braucht sich in Kombination mit einem lichtstarken Objektiv keine Sorgen machen.


Weiteres


Ich habe auch die Videofunktion getestet und muss sagen, dass der Autofokus wahnsinnig schnell ist und immer treffsicher mitführt. Die Videos sind superscharf. Für meinen Teil reicht das völlig aus und ich behaupte auch für jeden Fotografen ist dies ausreichend. Auch wenn man, wie ich, auf Hochzeiten Highlight-Videos mit kurzen Sequenzen dreht, ist die Canon EOS R dafür perfekt geeignet.


Das einzige, was mir nicht gefällt, ist der fehlende 2. Kartenslot. Wäre dieser dabei, wäre es aus meiner Sicht die perfekte Kamera. Canon selbst begründet dies mit der vorhandenen WLAN-Funktion. Hier kann man über eine App eine Verbindung zwischen Smartphone und Kamera herstellen und die Fotos im Hintergrund übertragen. So hätte man quasi ein Backup. Diese Funktion habe ich allerdings nicht getestet.


Ein kurzes Wort zum digitalen Sucher. Hier sieht man bereits im Vorfeld das „fertige“ Bild. Allerdings ist es bei extremem Gegenlicht schwierig, das Bild durch den Sucher zu beurteilen. Da hat die DSLR doch noch Vorsprung.


An dem Wochenende, an dem ich die EOS R zum Testen hatte, habe ich Sportfotos, ein Portraitshooting, eine Hochzeit und Familienfotos gemacht. Einige Portraitbilder seht hier am Ende.


Fazit: Wer etwas mehr will, als nur in die Systemkameras einzusteigen….wer bereits Canon-Objektive hat...wer eine handliche Kamera will, die man auch mal länger in der Hand halten kann….der sollte einen Blick auf die Canon EOS R werfen. Es ist eine super Kamera, die ich mir auf jeden Fall kaufen und auch auf Hochzeiten und in all meinen Bereichen nutzen kann und werde.


Klar, der Preis von aktuell 2499€ ist kein Hobbyfotografenpreis, aber wer schon Canon hat und fotobegeistert ist, der darf hier ruhig einen Blick riskieren. Ende des Jahres 2019 soll eine weitere Canon EOS R Kamera für Profis erscheinen. Diese soll Gerüchten zufolge mit 70 Megapixel auslösen und über 2 Kartenlots verfügen. Preis und Erscheinungstermin sind aktuell unbekannt. Für den etwas schmaleren Geldbeutel gibt es eine Canon EOS RP, die sicher auch einen Blick wert ist.


PS: Der Artikel ist aus meiner persönlichen Sicht geschrieben und wurde weder von Canon noch von jemand anderen gesponsort.


Bildquelle des Titelbildes: www.canon.de


Und hier eine kleine Auswahl der mit der EOS R gemachten Fotos.






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